Wie Meinungsmacher Kritik wegstecken

Stefan Kretzschmar hat in seiner Zeit als Handballprofi ordentlich einstecken müssen. Handball ist nicht nur auf dem Niveau, auf dem er spielte, ein überaus harter Sport.
Heute ist er Werbeikone und TV-Experte. Dass er ausgerechnet jetzt mit einer Kritik an den Zuständen der Meinungsfreiheit in unserem Land um die Ecke kommt, mag zeitlich entweder gut gewählt oder – je nach Ansicht – auch eine Aussage zur Unzeit sein.

Dass nun verschiedene Medien – die oft genug für sich die Deutungshoheit über öffentliche Meinungen beanspruchen – die Meinungsäußerung des Ex-Sportlers kritisieren, ist jedoch ein Schelmenstück. Wenn jemand, der fehlende Meinungsfreiheit beklagt und dafür von Meinungsführern ordentlich was auf die Glocke bekommt, spricht das wohl eher nicht für die Medienvertreter, sondern für den Kritiker.

Inhaltlich hat Kretzschmar wohl nicht ganz Unrecht: Wer mit seiner Meinung nicht dem „öffentlichen Tenor“ oder der „veröffentlichten Meinung“ entspricht wird oft von vielen Seiten in den Senkel gestellt.

Am Besten ist das am Thema Migration/Asylbewerber und dessen Wahrnehmung zu erklären:
Wer Polizist ist und die Aggressivität vieler junger Asylbewerber kritisiert, wird flugs von der #wirsindmehr-Masse in die AfD-Ecke gestellt und kriegt nicht nur eine negative mediale Aufmerksamkeit, sondern vermutlich auch Probleme mit seinem Arbeitgeber.
Wenn der gleiche Polizist darauf hinweist, dass viele Asylbewerber aus gutem Grund die Flucht nach Deutschland angetreten haben, bekommt es mit der vereinten Netzgemeinde der „Anti-Mainstream-Bewegung“ zu tun und wird als „Gutmensch“ bezeichnet, was sicher keine gut gemeinte Bezeichnung mehr ist.
Er sitzt dann zwischen allen Stühlen – schließlich muss man sich heute zwingend entscheiden auf welcher Seite man steht… Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Das hatten wir doch in Deutschland lange genug – in zwei Diktaturen brachte diese Denkweise Menschen ins KZ oder später ins „Gelbe Elend“ nach Bautzen. Muss man sich undifferenziert entscheiden?

Muss man wirklich? Darf man nicht mehr differenzieren und dies auch sagen? Stefan Kretzschmar hat ein Problem unserer Zeit angesprochen. Wer sich Gedanken macht über Themen der Gesellschaft kommt mit Schwarz-Weiß-Denken nicht weit. Die Welt ist kompliziert geworden und alle Argumente müssten doch eigentlich ausgetauscht werden, um am Ende zu klugen Wegen und Lösungen zu finden. Leider ist die gepflegte Debatte, die Suche nach dem besten Argument heute weitgehend abhanden gekommen. Persönliche Vorwürfe und Totschlag-Argumente satt ersetzen differenzierte, sachliche Betrachtungen. Die anderen mit klugen Argumenten zu überzeugen, ist nicht mehr trendy. Dabei braucht unsere Gesellschaft genau das ganz besonders. Schön, dass eine Ikone wie Stefan Kretzschmar die Debatte über Meinung und Meinungsfreiheit angestoßen hat!

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