Theater ums Theater: Was gibt’s für 15 Millionen Euro?

von Ingo Eckardt

Am 6. Januar haben sich in Zwickau Politiker der Städte Plauen und Zwickau getroffen, um die Zukunft des fusionierten Theaters Plauen-Zwickau zu beraten. Man packte – aufgrund des massiven Protestes aus der Bevölkerung in beiden Städten – drei Millionen Euro auf die geplanten 12 Millionen jährlich drauf, mit denen das Theater ab 2018 auskommen muss. Doch es gibt eine Menge Fragen, die nicht beantwortet sind: Wie viel Theater kann man in drei Jahren für 15 Millionen Euro bekommen? Wie viel Personal muss abgebaut werden und vor allem in welchen Sparten? Was bedeutet der Aderlass für das Theater? Und vor allem: Welche Strukturen kann man entwickeln, um den gesellschaftlichen Auftrag des Theaters noch zu erfüllen?

Aus rein Plauener Sicht sieht das ohnehin schwierig aus. Denn es ist völlig unklar, wie es in der derzeitigen Haushaltslage gelingen soll, jährlich eine Million Euro mehr aufzubringen, als bisher geplant. Dass ein warmer Gewerbesteuerregen in den kommenden drei Jahren über Plauen seine Schleusen öffnet, darf man getrost ausschließen. Wo will Ralf Oberdorfer mit seiner Verwaltung sich denn das Geld aus seinen Rippen schwitzen? Welches Tafelsilber will man denn verscherbeln, um Jahr für Jahr das Theater zu finanzieren. Man wird keinen rechtssicheren Haushalt mehr aufstellen können, ist zu vermuten.

Gibt sich der Plauener OB tatsächlich der irrigen Annahme hin, dass die Landkreise als Träger mit in die Theaterehe einsteigen? Das wäre vielleicht im Vogtland – trotz sicher großen Gegenwindes aus dem Göltzschtal – sogar noch möglich, wenngleich sicher sehr unwahrscheinlich. Der Landkreis Zwickau hingegen, wird einen Teufel tun. Ein guter Teil der Bewohner im Kreis Zwickau ist schneller am Chemnitzer Schauspiel als in Zwickau. Wie soll der Zwickauer Landrat Scheuer das denn seinen Bürgern erklären? Zumal die Bezuschussungszeche am Ende von den Kommunen über die weiter steigende Kreisumlage getragen werden muss?

Was ich mich frage: Vielleicht ist die Theaterehe ja einfach nicht mehr zeitgemäß? Vielleicht wäre ein kleines, schlagkräftiges Vogtlandtheater ja eine gute Lösung? Oder vielleicht kann man ja die Orchester- und Theaterlandschaft in der gesamten Euregio Egrensis in einem großen Wurf neu ordnen? Dazu müsste man halt einfach mal miteinander reden – mit den Kulturschaffenden in Cheb und Asch, in Hof und Greiz, in Plauen und Zwickau. Wenn man sich einig wäre, könnte man seine Forderungen in geballter Form an die entsprechenden Adressen in Prag, München, Erfurt und Dresden richten. Vielleicht könnte man mit den entsprechenden Staatsverträgen ein kulturell richtig großes Rad drehen?

Und wer jetzt sagt, dass solche Ideen doch nur irre Visionen sind, der hat im kleinkariert-kleinstaatlichen Denken unserer Zeit leider Recht. Aber ohne Visionen hätte wohl einst der Architekt Andreas Schubert niemals die größte Ziegelsteinbrücke der Welt ins Vogtland gesetzt… Vogtländer können was erreichen, wenn sie sich was trauen! Trauen wir uns doch einfach, mal den ersten Schritt zu machen!

4 Kommentare

  1. Susan Kölbel · Januar 9, 2015

    Ich bin auch dafür, dass die Kultur im Vogtland erhalten bleiben muss….ich habe aber leider keine gute Idee, wie man das bewerkstelligen könnte….ich bin relativ gut belesen…leider kann ich mir keine Karten fürs Theater leisten…(Hartz) : /….habe aber die Demo auf dem Plauener WM im Dezember mit erlebt…(habe dort gearbeitet) Eine Idee hätte ich doch noch…setzt Euch doch mal mit dem Erfurter Theater in Verbindung…die haben da ein Projekt am laufen, dass Kinder und Jugendliche der klassischen Musik näher bringen möchte….vielleicht ist das ein Ansatz….denn die Jugend ist die künftige Kundschaft der Kultur

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  2. Susan Kölbel · Januar 9, 2015

    Ach noch was ….das machen auch Theater in Franken…z.B. Würzburg

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  3. Julia · Januar 10, 2015

    Susan, da wären wir schon bei einem weiteren Punkt, den du indirekt anschneidest. Der Bildungsauftrag des Theaters. theater soll für jeden zugänglich sein und das ist es. Mithilfe des Plauenpasses können Hartz4 Empfänger wochentags das Theater gratis besuchen! Bringt zwar kein Geld, aber Bildung und Unterhaltung für den kultuliebenden Bürger

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  4. Julia · Januar 10, 2015

    Und die Projekte für Kinder gibt es auch im großen Umfang in Form von Schulkonzerten, Kinderopern und Veranstaltungen, in denen Musiker den Kids ihre Instrumente detailliert vorstellen 🙂 mal abgesehen von der weitführenden theaterpädagogischen Arbeit, die Steffi Liedtke und Silvio Handrick wirklich toll leisten. Schulen werden betreut, Stücke mit Schulklassen vor- und nachbereitet….

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