Keine Grautöne mehr in der Debatte

Ideologen haben sie errungen, die Deutungshoheit in unserem Land. In der Flüchtlingsdebatte gibt es nur noch schwarz und weiß, gut und böse. Differenzierte Sichtweisen liest und hört man kaum noch und die Bevölkerung bekriegt sich nach genau diesem Muster, das Medien und Politik vorgeben an Stammtischen, in sozialen Netzwerken und Leserbriefspalten.

Die einen, nennen wir sie einmal im Sprachgebrauch der anderen Seite „Gutmenschen“, sehen im anschwellenden Flüchtlingsstrom überhaupt kein Problem. Sie finden, dass die vielen Flüchtlinge, die durch jede Menge Länder reisen, um nach Deutschland zu kommen, ausschließlich eine Bereicherung unseres Landes sind.

Die anderen, nennen wir sie einmal im Sprachgebrauch der anderen Seite „Nazis“, sehen in dem nicht enden wollenden Asylantenzustrom das Ende unserer gefestigten Gesellschaft. Sie meinen, dass die zahlreichen Flüchtlinge ihren (meist recht bescheidenen) Wohlstand gefährden und unser Land ruinieren werden.

Kehrt man doch einmal zu den Fakten zurück: Unter den Asylsuchenden sind viele Menschen, die vor Krieg und Verfolgung, vor unklaren Kampfstrukturen und bitterer Armut in ihren Heimatländern fliehen – es sind Familien, Frauen und Kinder. Aber: Die Masse der Flüchtlinge sind junge Männer, die noch dazu ihr Handy nicht im Meer verloren haben. Sie haben normale Klamotten an, wie das viele Syrer vor dem Krieg taten. Sie flüchteten davor von Assads Armee, den Dschihadisten oder den von westlichen Mächten ausgerüsteten Rebellen zwangsrekrutiert zu werden. Ganz ähnlich geht es den vielen Männern aus Eritrea, Libyen und dem Irak. Unter den Flüchtenden werden aber auch IS-Terroristen nach Europa geschleust. Es gab erste Festnahmen von Verdächtigen, die sich unter die Asylbewerber gemischt hatten.

Fakt ist auch, dass 24 der 28 EU-Länder derzeit keine Flüchtlinge mehr aufnehmen. Fakt ist, dass das Land, welches einst als erstes den Eisernen Vorhang mit Bolzenschneidern zerschnitt, heute einen Zaun baut, der Flüchtende davon abhalten soll, in die EU zu kommen. Das ist doch an Schizophrenie nicht mehr zu überbieten, oder? Fakt ist, dass viele Menschen aus purer Humanität heraus helfen wollen, Not zu lindern, wo sie vorhanden ist. Fakt ist aber auch, dass die Flüchtlinge mit vielen Spenden in einer Form umgehen, wie man mit Almosen – nichts anderes ist eine solche Spende – nicht umgeht. Das ist ungebührliches Verhalten.

Fakt ist, dass die Kriminalitätsrate von Flüchtlingen deutlich über der der deutschen Bevölkerung liegt. Fakt ist aber auch, dass Flüchtlinge gegen Gesetze verstoßen können, gegen die Deutsche nicht verstoßen können (z. B. Asylgesetz, etc.). Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass Menschen, die um Asyl bitten, keinesfalls über dem Gesetz stehen dürfen. Wenn Verkehrsbetriebe gar keine Asylbewerber mehr kontrollieren, bzw. keine Anzeigen mehr erstatten, wenn diese ohne Fahrschein erwischt werden, dann ist dies eine nicht zu erklärende Benachteiligung deutscher Schwarzfahrer.

Fakt ist, dass Gesetzesnovellen zur Griechenlandhilfe keine zwei Monate benötigen, um alle Gremien zu passieren. Fakt ist, dass die Asylrechtsnovelle seit mittlerweile zehn Monaten in der Erarbeitung ist. Fakt ist, dass Menschen und auch Politiker als geistige Brandstifter denunziert werden, wenn sie die Zweifel der Bevölkerung aufgreifen, die an der derzeitigen Flüchtlingspolitik bestehen. Fakt ist, dass die vielen Helfer, die bereit sind, den hier ankommenden Menschen einen Funken Integrationschance zu geben, oft genug und völlig zu Unrecht dumm angemacht und manchmal gar bedroht werden. Fakt ist, dass die Medien ihrer Verantwortung wieder gerecht werden müssen, „dem Volk auf’s Maul zu schauen“, statt zu versuchen, „das Volk zu erziehen“.

Was lernen wir auf dieser ganz sicher nicht vollständigen Aufzählung von Fakten?

Nicht alle Asylbewerber, die jetzt in großer Menge zu uns kommen, sind Sozialschmarotzer. Nicht alle sind aber auch freundliche Mitmenschen, die nur mal gern in Frieden leben wollen. Nicht alle Asylbewerber sind nach Deutschland gekommen, um vor Krieg zu fliehen, sondern viele kommen, um der Armut in ihren Heimatländern zu entkommen. Das ist verständlich, aber kein Asylgrund. Nicht alle Menschen, die sich Gedanken um die gesellschaftliche Tragfähigkeit der massenhaften Flüchtlingsströme in unserem Land machen, sind Nazis. Nicht alle, die aus purer Mitmenschlichkeit den Flüchtenden Hilfe anbieten, sind naive Idioten, die die gesellschaftliche Tragweite ihres Handelns nicht überschauen.

Nehmt endlich die absolut sinnfreie, unmenschliche Schwarz-weiß-Ideologie aus dieser Debatte!!! Helft, wo Hilfe nötig ist und verlangt trotzdem, dass sich unser zeitweisen Gäste an hier bestehende Regeln und Grundsätze halten. Sorgt dafür, dass Menschen, die nachweislich verfolgt oder bedroht sind, einen Aufenthaltstitel, einen Deutschkurs und eine Chance auf Arbeit bekommen. Sorgt dafür, dass Leute, die kein Asylrecht genießen, umgehend in ihre Heimatländer zurückgeführt werden. Wenn die Politik dies nicht hinbekommt, dann muss ein Moratorium – ein sofortiger, befristeter Aufnahmestopp –  her, um endlich die nötige gesamtgesellschaftliche Diskussion zu führen, wie wir mit dem Thema umgehen – tabulos und ehrlich sollte die Diskussion sein, geführt mit gesundem Menschenverstand und ohne ideologische Scheuklappen und die damit verbundenen Phrasen. Reden wir doch über die Ursachen, statt an den Folgen herumzudoktern, reden wir über Modelle, den Flüchtlingsstrom in den Heimatländern der Betroffenen einzudämmen und die „Schuldigen“ an der Misere angemessen an der Finanzierung der Folgen zu beteiligen.

Lasst zu, dass die Grautöne der Debatte wieder sicht- und hörbar werden!

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