Gladbachs Ex-Coach ganz schön feige

Fußball ist in unseren heutigen Tagen nichts mehr als eine schöne Nebensache, aber irgendwie auch ein Spiegel unserer Gesellschaft. Nach sechs verlorenen Spielen in der Bundesliga und in der Champions League warf der meist etwas schrullig-grantelig wirkende Schweizer Lucien Favre das Handtuch – obwohl sein Arbeitgeber VfL Borussia Mönchengladbach weiter zu ihm hielt. Und das ist ja im Fußballgeschäft auch nicht mehr ganz so selbstverständlich. Es ist eine ziemlich feige Art, die der zweifellos total kompetente Sensibel-Trainer wählt, um nicht voll in die Schusslinie zu geraten. Weder er hat in der Sommerpause verlernt, wie man eine Mannschaft aufstellt, noch haben seine Spieler in einem Demenz-Anfall vergessen, wie man den Ball ins Tor schießt. Es läuft nur derzeit eben nicht rund, so ging es auch schon anderen Teams – man denke nur an die Namensvetterin aus Dortmund im vergangenen Jahr.

Sein Ausscheiden hat etwas von „Selbstmord aus Angst vor dem Tod“. Was gibt einem Trainer – auch wenn er wie der 57-jährige Lucien Favre überaus erfahren ist –  das Recht, zu entscheiden, ob er noch der richtige, der „perfekte Trainer“ (so seine eigenen Worte) für die Borussia ist? Er ist ein Angestellter und hat einen Vertrag bis 2017 zu erfüllen. Man könnte nun meinen, es ehre ihn, dass er selbst die Notbremse zog, statt zu warten, bis andere dies tun. So erspart er dem Traditionsverein sein Gehalt für zwei Jahre, das mit jeweils etwa zwei Millionen Euro taxiert wird. Und er hinterlässt einen Haufen Scherben, die es für einen potenziellen Nachfolger aufzufegen gilt.

Favre hat sich mit der Rettung der Borussia vor dem Abstieg und dem darauf folgenden Aufschwung bis in die Champions League bleibende Verdienste erarbeitet – seinen Abgang aber wird man nicht mit der gleichen Nachsicht betrachten, wie man dies einst beim Borussia-Denkmal Hans Meyer tat. Sein Rückzug wirft ein Schlaglicht auf die Denkweise unserer Gesellschaft. Verträge und Bindungen sind zu oft nur noch Makulatur. Wo bleibt die Ehre in Vertragsdingen, die einst einen wichtigen Wert im Zusammenleben dargestellt hat?

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