Flauschige Wohlfühlwahlkampfzeit

Gut zwei Wochen noch – dann wählen die Menschen in unserem Land einen neuen Bundestag. Und man darf nicht auf allzu hohe Buchmacherquoten hoffen, wenn man darauf setzt, dass auch der nächste Bundeskanzler eine Frau aus der Uckermark sein wird. Es fühlt sich ein wenig so an, wie einst der englische Kicker Gary Lineker mal den Fußball erklärte – es sei ein Spiel mit 22 Spielern, die 90 Minuten einem Ball nachjagen und am Ende immer Deutschland gewinnt. Nur dass die Siegerin eben Angela Merkel heißt. Denn die wenigsten Deutschen können und wollen sich augenscheinlich vorstellen, dass ein Martin Schulz tatsächlich dieses Land regieren würde.

Die bräsige Vorstellung zum „TV-Duell“, das eher an ein „Pas des deux“ erinnerte, hat vielen Menschen augenscheinlich gezeigt, wie nah die beiden Volksparteien (kann man bei 20-25% bundesweit von einer solchen eigentlich noch sprechen?) in ihren Themen liegen. Kuschelkurs statt klare Kante. Die Amtsinhaberin gibt sich stets staatstragend und lässt die halbherzigen Angriffe des einstigen EU-Parlamentspräsidenten völlig emotionslos an sich abprallen. Am Ende wollte Schulz vermutlich verhindern, dass seine SPD am Ende völlig ohne Macht da steht, falls die „ewige Kanzlerin“ die Chance hätte, auch mit den wieder selbstbewussten „Lindner-Jüngern“ der FDP oder gar den Grünen zu regieren.

Die kleinen Parteien buhlen um den Platz an der Sonne – den nach den beiden größeren Parteien. Die Grünen und die FDP im Mainstream doch verwechselbar – die Linke mit klaren Ansagen in Sachen Verteidigung, Sozialstaat und Rente. Allerdings hängt den SED-Erben um die „Schöne“, Sarah Wagenknecht, eben genau der Malus der Herkunft an, obwohl viele Menschen mittlerweile die Ideen der Linken gar nicht so verkehrt finden. Bliebe noch die AfD, mit dem „Biest“ an der Spitze, Alexander Gauland . Der Mann, der seiner Partei die Wahlchancen nimmt, indem er einen antirassistischen Shitstorm auslöst, gilt als unberechenbar, aber gerissen. Allerdings scheint er nicht ganz so gescheit zu sein, wie man es gemeinhin unterstellt. Dass die 50-jährige „Integrationsbeauftragte“ Aydan Özoguz (SPD), in Hamburg geboren und mit Migrationshintergrund, in ihrem Leben außer der deutschen Sprache keine spezielle deutsche Kultur erkannt haben will, ist zwar befremdlich und hätte ein wundervolles Wahlkampfthema werden können. Doch dann kommt eben jener Gauland um die Ecke und will „Özoguz in Anatolien entsorgen“. Die Folge: Alle reden über den Rassisten Gauland und keiner über die inhaltlich höchst fragwürdige  Özoguz-Aussage. So konnte das „Biest“ mal wieder in die Ecke gestellt werden, wo es hingehört – in die rechte nämlich und alles war wieder schön flauschig.
Die einzigen die den „Rosa-Wolken-Wahlkamf“ ein wenig durcheinanderbringen können sind also die „Schöne“ und das „Biest“. Alle anderen flauschen sich durch die „wattebauschhaften“ Wahlkampfstände, dass es weh tut.

Insofern dominiert die Langeweile den Wahlkampf und neben den bereits vorab beantworteten Fragen (Wer wird Kanzlerin? Wer wird stärkste Partei?) bleiben nur wenige Unbekannte: Wie stark können „Rosa Luxemburg 2.0“ und ihre Partei werden? Schaffen es die Grünen in den Bundestag oder sich selber ab? Gibt es neben dem allgegenwärtigen Christian Linder auch noch andere FDP-Mitglieder, die mit ihm in den Bundestag einziehen können? Wird die AfD mit ihren sicher oft einen Nerv treffenden Themen drittstärkste Kraft im Bundestag, obwohl ihr „Bodenpersonal“ doch eher amateurhaft daher kommt?
Okay, das ist alles nicht wirklich spannend, aber wenigstens ist vorab noch nicht klar, wer die Tor schießt, wenn mal wieder 22 Spieler 90 Minuten einem Ball nachjagen und am Ende immer Deutschland gewinnt…

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