Wenn Politik weit weg ist von den Menschen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der höchste Amtsträger Deutschlands, war heute in Plauen – Vormittag trug er sich im engsten Kreis der Rathaus-Führung ins Goldene Buch der Stadt ein, danach ging es statt auf den Lerchenberg in Mainz auf den Bärensteinturm in Plauen – zum Sommerinterview mit Theo Koll. Soweit so gut. Doch es ist eben nicht alles eitel Sonnenschein.
Da ist die Frage der Geheimniskrämerei. Noch nicht einmal die Medien wurden vorab informiert über den Besuch. Dennoch haben wir Presseleute natürlich Wind davon bekommen und wollten das tun, was Journalisten tun sollten, wenn sie ihren Job ernst nehmen: Hingehen, angucken und Fragen stellen. Leider war das nicht möglich. Wer kein gelbes Armbändchen hat wurde am Bärenstein zurück gewiesen, von martialisch ausgestatteten (aber freundlichen) Bereitschaftspolizisten.

Zehn Einsatzfahrzeuge samt Besatzung plus BKA in großer Zahl waren vor Ort, um alle Zugänge zu sperren, damit nur kein nicht handverlesener Mensch dem Staatsoberhaupt über den Weg läuft. In journalistischem Sinne könnte man meinen, dass es hier um Zensur geht – man will die Deutungshoheit über den Besuch haben. Eine schmallippige Erklärung der Stadtverwaltung, inszenierte Fotos über die Pressestelle oder das ZDF – Bilder, die so authentisch sind, wie jede „Scripted Reality Show“ im Privatfernsehen.
Dass man die Medien damit in ihrer Arbeit behindert, scheint egal – so setzt man sich der Kritik des Bürgers zu Recht aus.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden – ich bin sehr froh darüber, dass Steinmeier der Stadt Plauen im Jahr dreißig des Wendeherbstes die Würdigung zukommen lässt, die ihr gebührt. Aber muss das in dieser bürgerfernen Form sein? Wer auch immer das so organisiert hat, macht sich mitschuldig an Politik(er)-Verdrossenheit.

Nun ist Steinmeier weder ein gerader Typ wie Richard von Weizsäcker, auch kein Ruck-Redner wie Roman Herzog – eher ein glatter Grüße-Onkel im Stile von Johannes Rau. Steinmeier ist sicher kein Mensch, der durch seine Polarisierung angefeindet wird.
Vielleicht war es seine Presseabteilung, vielleicht das krankhaft vorsichtige BKA oder auch das ZDF, das sich durch lokale Journalisten nicht die Show stehlen lassen wollte. in jedem Fall hätte ein Treffen mit Bürgerrechtlern von einst, ein paar lokale Journalisten und ein kleines Bad in irgendeiner Menge gezeigt, dass der Mann es ernst meint mit der Würdigung der mutigen Menschen Plauens – und nicht nur schicke Bilder vom Bärensteinturm produzieren wollte.

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