Unterschriften und die Suche nach Theaterabonnenten

Heute sind in Plauen an die Oberbürgermeister von Zwickau und Plauen, Dr. Pia Findeiß und Ralf Oberdorfer gut 43.000 Unterschriften übergeben worden – vom Bündnis „Pro Theater Plauen-Zwickau“. Das breit angelegte Bündnis – von Vereinen und namhaften Bürgern in erste Linie getragen – freute sich über die große Anzahl derer, die eine Online-Petition und deren analoge Schwester unterzeichneten. Auch wenn die Stimmenaufteilung ein wenig merkwürdig ausschaute – die analog abgegebenen Stimmen wurden beiden OBs überreicht, die Online-Stimmen nur dem der jeweiligen Stadt – ist das Zeichen deutlich: Die Menschen in Südwestsachsen wollen ein produzierendes Vier-Sparten-Theater und keinen bespielten Musentempel. Den klarsten Kernsatz des Tages sagte Theater-Fördervereinschef Lutz Behrens: „Die Schauspieler sollen hier bei uns wohnen und ansprechbar sein. Sie sollen identitätsstiftend für unser Theater sein.“

Andere Kernsätze waren auch zu hören. So gab Plauens OB Oberdorfer unumwunden zu, dass man noch nicht wirklich wisse, wie man die vereinbarten Zahlungen in einen rechtskonformen Haushaltsplan für die Spitzenstadt einbauen könne. Einen anderen Kernsatz hatte Pia Findeiß dabei. „Wir wissen, dass die Finanzierung des Theaters in erster Linie von den Möglichkeiten in Plauen abhängen.“ Übersetzt heißt das: Wir in Zwickau haben eigentlich kein Problem, das Theater zu bezahlen – ihr in Plauen schon! Nimmt man mal die nackten Zahlen her, weiß man, warum die Zwickauerin problemlos sticheln kann: Ihre Stadt hat die mehr als vierfache Einnahmehöhe in der Gewerbesteuer als die Spitzenstadt. Das ist übrigens die einzige Steuer, mit der Kommunen echt Kohle machen können. Dieses Zeichen verfehlter Wirtschaftspolitik in Plauen ist allerdings ein anderes Thema… Lieber murmelt man gebetsmühlenartig, dass doch die Kreise gefälligst in die Finanzierung einzusteigen hätten – wohl wissend, dass die Kommune zumindest teilweise diese Kosten über eine erhöhte Kreisumlage doch wieder zahlen müsste.

Pia Findeiß hatte aber zumindest noch einen Punkt im Gepäck, der vordergründig erst einmal schmunzeln lässt, der aber vor allem von Kreativität im Denken zeugt, die der Plauener Verwaltung hin und wieder zu fehlen scheint: „Wenn all die Leute, die diese Petition unterzeichnet haben, ein Theater-Abo kaufen, hat das Theater die doppelten Einnahmen wie bisher.“ Das stimmt ganz sicher, denn das Theater hat – entgegen der allgemein vertretenen Meinung – aus meiner Sicht vor allem ein Imageproblem. Es gehen ganz einfach zu wenige zahlende Besucher in die beiden Theater. Das hat Gründe: Einerseits fehlt eine halbe Generation Menschen, die ins Theater gehen – dem Exodus des Ostens sei zweifelhafter Dank. Zum zweiten hat sich die Zeit des „Zwangsurlaubs“ für die Theaterbeschäftigten verdoppelt, damit die Kommunen nicht die Tarifsteigerungen zahlen müssen. Wo kein Theater stattfindet, kann halt auch keiner hingehen.

Dennoch müssen die Stadträte – auch ich bin ein solcher in Plauen – demnächst den gefundenen Kompromiss absegnen. Sie beschließen in Plauen, dass 2015 knapp 4 Millionen, 2016 gut 3,6 Millionen, 2017 etwa 3,3 Millionen und ab 2018 jeweils knapp 3 Millionen Euro in den Musentempel gibt. Dabei beschließen die Stadträte zwar einen Finanzrahmen, wissen aber leider nicht, was sie für das Geld bekommen. Sie wissen nicht, wie viel Theater am Ende des Prozesses stehen soll. Das wäre quasi so, als würde man 30.000 Euro beim Mehrmarken-Autohaus heute auf den Tisch packen, in der Hoffnung auf ein gescheites Auto in drei Jahren. Dann gibt es vielleicht einen schicken Mittelklasse-Kombi – oder eben nur einen Kleinwagen ohne Anhängekupplung? Bleibt die Hoffnung, dass bei einem Beschluss der Stadträte am Ende – um im Bild zu bleiben – wenigstens ein Kompaktauto rauskommt. Leider hat man in der Theaterleitung noch keinen Gedanken auf den Tisch gelegt, wie die „Karre“ am Ende aussehen könnte. Wir reden quasi über etwas, wovon keiner weiß, wie es ausschaut. Auch interessant, irgendwie…

2 Kommentare

  1. Matthias Hendel · Januar 30, 2015

    Ich vermisse immer noch die Spitze Feder….

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  2. Steffen Beer · Februar 6, 2015

    Finde der Artikel trifft es, oder besser noch Frau Findeiß. Würden alle die jetzt aufschreien sich regelmäßig ins Theater gehen, wäre das Problem zumindest kleiner. Ich selbst gehe gerne in das Sinfoniekonzert, auch wenn man sich streiten kann, ob die Auswahl des Herrn van de Veer immer ein Ohrenschmaus ist. Ich habe dafür zwei Abos und nehm immer mal jemand anderes mit… Ist mein Kulturbeitrag

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