Vorwärts in die Vergangenheit

Im Plauen und dem Vogtland fehlt es wie auch an vielen anderen strukturschwächeren Regionen in Deutschland an jungen Leuten, die den Fachkräftebedarf der heimischen Wirtschaft decken könnten. Nun buhlen die Firmen mit großer Vehemenz um junge Leute – schon in Klasse 7 werden die Oberschüler und ihre Eltern zur Aktion „Schau rein – Woche der offenen Unternehmen“ eingeladen. Anfang März laden Firmen, Arbeitsagentur und Vogtlandkreis ein, in Firmen reinzuschnuppern. Soweit so gut – das Interesse der Schüler ist groß, einige Firmen jedoch haben ihre eher schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht…und ziehen sich zurück aus den gut gemeinten Aktionen. Ihre Angebote wurden teilweise schon in den vergangenen Jahren nur mäßig genutzt.

Deshalb hat Wirtschaftsdezernent Lars Beck nun die Eltern ins Visier genommen – als wichtige Multiplikatoren in der Berufswahl. Er hat dabei sicher recht: Die meisten jungen Leute lassen sich schon von ihren Eltern beraten. Dennoch zielt sein Ansinnen vermutlich zu kurz. Denn der Trend geht dahin, dass immer mehr Jugendliche – mehr oder minder unter Druck der Eltern – Abitur machen wollen – im Zweifelsfall auch nach der Oberschule als Fachabi an einer Berufsfachschule. Das ist ein guter Weg, doch noch ein Studium aufnehmen zu können. Doch natürlich gibt es auch andere Wege – über eine Techniker-Ausbildung beispielsweise. Diese aber werden selten genutzt. In der Folge entsprechen dann mehr und mehr Azubis den Anforderungen der Unternehmen nicht mehr.

Den wirklichen Hintergrund der Misere, hat man – so scheint es – noch nicht erkannt. Bei vielen Oberschülern platzt der Knoten erst später als in Klasse vier, wenn die Wahl der weiterführenden Schule in Sachsen verpflichtend stattfindet. Man kann nicht oft genug betonen, was seit Jahren die Philologen fordern – nämlich eine spätere Schulwahl, eventuell ab Klasse 6. Zweiter Punkt ist das duale Ausbildungssystem in unserem Land. Das scheint so gut zu sein, dass die ganze Welt uns darum beneidet. Das behaupten zumindest Vertreter der Wirtschaftslobby und der Politik so gebetsmühlenartig, dass man es glatt glauben könnte. Doch selbst angenommen, die Hochachtung vor dem System sei ehrlich, dann muss man sich trotzdem fragen, ob man es nach sechzig Jahren Erfolg nicht hin und wieder etwas an die Realität anpassen sollte.

Konkret heißt das: Jeder Jugendliche will oder soll Abitur machen, wenn es irgendwie geht. Die Wirtschaft will gute, junge Leute, die Berufe erlernen. Warum entsinnt man sich nicht dem in der DDR bewährten System der Berufsausbildung mit Abitur? Weil sie nicht systemkonform ist? Weil niemand mehr weiß, wie man das organisieren könnte? Oder weil es auf der falschen Seite des Grenzzaunes praktiziert wurde? Lars Beck hat meinen Vorschlag, das doch mal anzubieten, heute aufgenommen. Er will sich mal schlau machen, ob das nicht eine Option wäre, junge Leute für Beruf und Abi zu begeistern. Vielleicht könnte das Vogtland ja hier mal ein Zeichen setzen und voraus gehen!

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